Digitale Revolution, oder vielleicht doch nicht?

Mai 18, 2009 By: tim Category: HowTo

Ich lese gerade den Artikel “Digital Natives - Die Revolution der Web-Eingeborenen” und mache mir etwas Gedanken über die Sinnhaftigkeit dieses Artikels. Grundsätzlich denke ich auch, dass der Computer und damit auch das Web unsere Zeit verändert hat und noch verändern wird. Eine Deklaration, die unter Schirmherrschaft von Angela Merkel zum Thema Digitale Revolution entsteht, lässt mich da doch eher schmunzeln.

Ich selbst hab vielleicht mit acht oder zehn das erste Mal vor einem Rechner gesessen, das war so gegen 1980/82 im Osten schon eine kleine Sensation, wurde aber nicht mit dem Netz sozialisiert. Kann mich also schon deshalb nicht als Digital Native per Definition bezeichnen. Weiter unterscheide ich ganz klar zwischen virtueller und reeller Welt, denn das ermöglicht mir erst, die eigentliche Tragweite meines Tuns abzuschätzen. In meinem Leben stehen Menschen im Mittelpunkt und nicht irgendwelche Rechenmaschinen, auch wenn ich mit diesen Maschinen meinen Lebensunterhalt verdiene, sind sie nicht mein Lebenszweck.

Ich habe in meinem Berufszweig der Informatik schon sehr viele Menschen kennengelernt, die der im Manager Magazin genannten Definition entsprechen. Weltfremde Nerds machen keine Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine, vielmehr muss aus deren Sicht ein Mensch funktionieren wie eine Maschine. Da genau das aber nicht der Natur des Menschen entspricht, wird er kurzerhand durch eine digitale Entsprechung ersetzt.

Wenn das die Generation ist, die unsere kommende Zeit nachhaltig beeinflusst, dann aber schnell weglaufen, in eine Gegend, die noch nicht durch Netzinfrastruktur erschlossen wurde.

One Response to “Digitale Revolution, oder vielleicht doch nicht?”


  1. kkreuz sagt:

    auch wenn man es nicht direkt vergleichen kann, aber der aufmerksamkeits-spotlight des (ääh z.b….) lohas-herbeigerede ist noch nicht ganz ausgeknippst, schon gibt es die nächste typus-schublade für die schwadronier-agenda. zeitung muss ja voll werden.

    der satz im letzten absatz/mm-artikel bringt es ja mehr oder weniger auf den punkt (”Genauer betrachtet ist das Phänomen der Digital Natives keine Kulturrevolution, die alles Bestehende hinwegfegen wird. Vielmehr sollte sie als Kulturevolution verstanden werden”).

    medien- und kommunikationsnutzung (ver)ändert sich, generell werden informationen schneller verarbeitet und verästelter abgeflogen, allerdings auch weniger durchdrungen, sie haben eine viel geringere halbwertszeit, no news to me.

    dass nachhaltig und ad hoc die weltpolitik/wirtschaft/etc durch als digital natives sozialisierte menschen sozusagen “reloaded” wird, wie der artikel es teilweise weißmachen will, ist dummes, retardiertes inselvölkisches willkommensgeschrei für eine 360-grad-vernetzten heilsbringer(led)lichtgestalt. den es nicht gibt.
    gefühlte 98% der “iGeneration” sind consumer, die maximal knöcheltief in der IT-Grütze waten und wenn überhaupt über naiv-kompetente Konsumerqualitäten verfügen (mich eingeschlossen), nichts weiter. punkt der (ich nenne es mal) “reverse knowledge” in hochschulen finde ich allerdings schon interessant.

    wissen, sichere informationsquellen, voraussicht, reflektion und entscheidungsfreude bleibt wichtigstes manager/entscheiderkriterium, und nicht multi-options-mikromanagement.

    eine mögliche “revenge of the nerds” in wichtigen positionen lasse ich gelten (gabs immer), aber keinesfalls eine nachhaltige entscheiderposten-besiedelung aufmerksamkeitssüchtiger achso transparenter connecter ohne fundament (siehe solche lappen wie sascha lobo, typ ist echt ein selfbrand-luftballon)

    ps: ich hoffe, ich habe den artikel nicht missverstanden, da nur überflogen :)



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